Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 



  Freunde
    doloreshaze
    - mehr Freunde



http://myblog.de/susanjoyce

Gratis bloggen bei
myblog.de





Der Morgen

Ich sah in den Spiegel. Brutale Ehrlichkeit schlug mir ins Gesicht. Es war ein Schlag, auf den ich vorbereitet gewesen war, doch nichtsdestotrotz traf er hart.

Viel zu hell war es hier drinnen, viel zu hell. Meine Augen hielt ich halb zugekniffen und meine Stirn lag dabei in Falten. Es schenkte mir einen unfreundlichen Gesichtsausdruck, aber es schütze mich sowohl etwas vor mir selbst, als auch vor dem Licht.

Meine blasse Haut glänzte ölig, das Gesicht erschien seltsam aufgedunsen. Dunkle Furchen standen unter meinen Augen. Mein Mund war noch geschwollen vom Schlaf. Ich öffnete ihn. Die Lippen klebten trocken aneinander, zogen sich nur langsam voneinander ab. Mein Lippenstift war eingetrocknet; er hatte sie zusätzlich rau und rissig gemacht. Ich sah mir in die schmalen Augen, die kleinen Pupillen.

Auf einmal brachen Bilder von gestern Nacht auf mich herab.

Die junge Frau kam zu mir. Schamlos stand sie nackt im Türrahmen. Sie hatte sich nicht die Mühe gemacht, sich anzuziehen.

Ihr Körper war klein und fragil. Die schmalen Hüften und kleinen Brüste ließen sie mädchenhaft aussehen. Ihre braunen Haare waren zu einem modischen Kurzhaarschnitt frisiert worden. Sie hatte hohe Wangenknochen, es machte ihr kleines Gesicht katzenähnlich. Ihre Augen waren wie gebranntes Siena und funkelten mysteriös. Sie trug ihre kleine schwarze Brille, welche ihr gleichzeitig ein beherrschtes, als auch ein gewitztes Aussehen schenkte.

In ihrer rechten Hand hielt sie eine Zigarette. Scharf und schnell inhalierte sie hörbar. Fast zeitgleich offenbarte sie mir ihr Grinsen. Ihr kleiner, süßer, schmaler Mund um ihre makellosen weißen Zähne zogen mich in ihren Bann.

Sie war so wunderschön! Jeder Mann stand in ihrem Schatten, jede Frau stand in ihrem Schatten.

Ich bemerkte, dass sie ein „C“ auf der Seite ihres rechten Handgelenks tätowiert hatte. Ich fragte mich, wofür es stand. Der Anfangsbuchstabe eines Liebhabers? Vielleicht der ihres eigenen Namens?

Sie betrat das Badezimmer, kam langsam näher zu mir.

„Liebst du mich?“, fragte sie mich und fasste mit beiden Händen sanft an meine Hüften.

„Nein“, sagte ich und küsste sie innig.

4.12.06 15:09
 


Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung